Wort für den Tag

Liebe Leserin, lieber Leser! 
Chère lectrice, cher lecteur!
(Le texte français suit la version allemande.)

Apostelgeschichte 2,1–21
Schrecklich langer Predigttext.
Spätestens nach den ersten zehn Versen schaltet man ab.
Phrygien, Pamphylien, wie bitte? Parther, Meder, Elamiter ‒ und schon schreibe ich im Kopf die To-do-Liste für die nächste Woche. Sie etwa nicht?!

 Ähnlich wie wenn an Weihnachten die Weihnachtsgeschichte vorgelesen wird. Die Story ist im Prinzip bekannt – die Sprache ermüdend. Zum Glück gibt es ja dann das Krippenspiel, das alles noch mal auf den Punkt bringt.
Ein Pfingstspiel – würde das vielleicht helfen?

Erste Szene – Die Gerichtsverhandlung
Im Jahr 2020. In einem nüchtern kahlen Gerichtssaal treffen zusammen:                                       ein mittelalter Richter, eine etwa 25-jährige iranische Frau, ein Anwalt                                     und ein Dolmetscher.

Der Asylantrag der Frau ist abgelehnt worden. Sie hat Einspruch erhoben.                    Im Iran möchte sie nicht mehr leben. Sie hat miterlebt, wie Menschen gesteinigt wurden. Sie hat miterlebt, wie anderen die Hände abgehackt wurden.
Sie möchte in Europa bei ihren Verwandten leben, wo Frauen die gleichen Rechte haben wie Männer,  wo das Leben sicherer ist und einfacher.

Die Frau ist im Iran heimlich zum Christentum übergetreten. Ein Freund hat sie eines Abends am Fluss getauft. Christen werden im Iran verfolgt.

Heute hängt alles davon ab, ob sie glaubhaft machen kann, dass sie wirklich Christin ist. – Nicht nur zum Schein!
Die Verhandlung läuft schon eine Weile. Die Formalsachen sind erledigt. Der Richter blättert in seinen Unterlagen, blickt auf und fragt:                                   „Kennen Sie die Bedeutung von Pfingsten?“

 Der Dolmetscher übersetzt. Die Frau antwortet ohne zu zögern.
Der Dolmetscher übersetzt:  „Pfingsten ist Gottes Geist vom Himmel gekommen. Es ist der Geburtstag der Kirche.“

Der Richter notiert etwas. Dann fragt er nach: „Aber was bedeutet Pfingsten für Sie persönlich?“

 Was bedeutet Pfingsten in diesen Tagen, wo Menschen im ihr Leben kämpfen,                    wo Menschen unter Einsamkeit leiden, wo Menschen sehnsüchtig nach dem Ende der Pandemie schauen, wo Menschen hoffnungsvoll den Besuch der Kinder und Enkel erwarten,  auf dass die im Garten spielen und die Großeltern hinter dem Wohnzimmerfenster zuschauen?

 Zweite Szene – Sprachlosigkeit
Die Jünger sitzen in einem Haus in Jerusalem zusammen. Sie sitzen hier oft. Sie schweigen. Sie haben alles schon tausendmal beredet. Es gibt nichts mehr zu sagen. Die Jünger wären gerne woanders.  Sie haben miterlebt, wie ihr Anführer, ihr bester Freund, ihr Prophet gefangen genommen wurde.
Wie er ans Kreuz genagelt wurde. – Wie er gestorben ist.
Sie möchten gerne von der Liebe Gottes erzählen und auch davon, dass Jesu Leiche aus dem Grab verschwunden ist, dass der Tod zwar mächtig ist, aber Gottes Liebe noch tausendmal stärker.
Aber die Worte bleiben ihnen im Hals stecken.
Draußen werden unterdessen schon die nächsten Todesurteile vollstreckt. 

Dritte Szene – Das Pfingstwunder

Jetzt kommt in der biblischen Vorlage das mit dem Brausen und dem Feuer.                   Das könnte man genauso inszenieren und mit dramatischer Musik untermalen.
Klassischer Bibelfilm halt.
Allerdings besteht die Gefahr, dass die Zuschauer das für eine Zigarettenpause nutzen. Und dann nicht mehr wiederkommen.

Zu dramatisch darf man also das Wunder nicht ausmalen. Dabei ist es ein Wunder, dass den Jüngern plötzlich doch noch Worte einfallen.
Dabei ist es ein Wunder, dass es Menschen gibt, die ihnen zuhören und die sie verstehen.

 Ganz verschiedene Menschen. Damals waren es Menschen mit verschiedenen Muttersprachen. Diese Verständigungsprobleme kennen wir heute auch gut, gerade in Luxemburg.

 Man stelle sich vor – eine andere mögliche Inszenierung –, die Jünger sprächen über TV, Radio, Twitter, auf facebook, Instagram – was weiß ich, in unsere Zeit hinein, und plötzlich wären sich alle einig: Politiker unterschiedlichster Ausrichtung, Menschen aus Belair und die aus Bieles und die Sans-abri vor dem Bahnhof und die auf dem Galgenbierg, der Topmanager und die Putzfrau:                                                        #Liebe ist das Größte!

 Was für eine Aufregung, was für ein Wunder, was könnte man nicht alles bewegen?

„Was will das werden?!“
Nur ein paar hätten den Knall – Entschuldigung, das Brausen!!! – nicht gehört.
Die würden nichts kapieren und immer noch lästern: „Seid ihr denn alle bedrunken?“

 Vierte Szene – Joel verkündigt die Revolution der Liebe
Wir befinden uns wieder beim Haus der Jünger.
Davor eine Menschenmenge.  Aus der Gruppe der Jünger löst sich Petrus.
Er stellt sich auf eine Holzkiste und beginnt zu predigen: „Nein, wir sind nicht betrunken!  Wir erleben gerade, was der Prophet Joel vorhergesagt hat.

Lektüre Joel 3, 1-5
Joel hat gesagt: Es wird eine Zeit kommen, da wird Gott seinen Geist über uns ausgießen. Da werden eure Söhne und Töchter weissagen.“

 Eine junge Frau löst sich aus der Zuhörerschaft und sagt: „Ich sehe eine Zeit, in der die Corona Viren ausgerottet sein werden – in der kein alter Mensch allein in der Quarantäne-Station, im Pflegeheim oder zuhause daran stirbt.“

Die Zuhörer applaudieren.
Szenen wir auf den Balkonen in Italien oder England.

Petrus fährt fort: „Eure Jünglinge sollen Gesichte sehen.“
Ein junger Mann tritt vor und sagt: „Ich sehe lächelnde Gesichter. Lange Feindschaft wird überwunden. Frieden wird ausgehandelt. Und er hält.“

Ich sehe, wie Junge den gefährdeten Alten mit Fürsorge, Respekt und Verantwortung begegnen.
 Die Zuhörer klatschen und pfeifen.

Petrus redet weiter: „Eure Alten sollen Träume haben.“
Eine Gruppe alter Menschen tritt vor. Einer spricht. „Wir träumen von menschenwürdiger Pflege. Gute medizinische Versorgung für alle.                    Menschen, die uns wertschätzen.“

Die Leute klatschen wie auf den Balkonen in Venedig und Coventry.

Petrus ergreift wieder das Wort: „Joel hat gesagt: Gott wird uns alle retten!“
Die Menge jubelt.

Als es still wird, stimmt Petrus ein Gebet an. Die Leute beten mit. Danach gehen sie aufrecht ihrer Wege. Sie haben eine Mission: #Liebe ist das Größte.

Letzte Szene – Im Gerichtssaal
Wir befinden uns wieder im Gericht. Die iranische Frau hat noch nicht geantwortet. Der Richter fragt: „Haben Sie mich verstanden?                                  Was bedeutet Pfingsten für Sie persönlich?“

Der Dolmetscher übersetzt in eindringlichem Tonfall.
Die Frau antwortet auf Deutsch: „Sie sprechen Deutsch. Ich nur schlecht.                                       Gott hilft, dass wir trotzdem verstehen. Gott wird mich retten.“ AMEN.

Seien Sie herzlich gegrüßt! Gott behüte sie!
Ihr Karl Georg Marhoffer

______________________

Die nächste Andacht erscheint Donnerstag, den 04.06.2020.
______________________

Chers lectrices et  lecteurs !
Actes 2, 1-21 – un texte biblique terriblement long. Vous ne suivez plus au plus tard après les dix premières versets. Phrygie, Pamphylie, s’il vous plaît ? Parthes, Mèdes, Elamites – et dans ma tête je note déjà la liste des choses à faire pendant la semaine prochaine. Vous aussi ?!

Cela me paraît comme l’histoire de Noël. En principe l’histoire est connue – la langue biblique est fatigante. Heureusement, il y a le jeu de la Nativité, qui ramène tout au point. Un jeu de Pentecôte – est-ce que cela pourrait aider ?

Première scène – au tribunal
En 2020. Un juge d’âge moyen, une Iranienne de 25 ans, un avocat et un interprète se rencontrent dans une salle d’audience sobre et nue.
La demande d’asile de la femme fut rejetée. Elle a fait objection. Elle ne veut plus vivre en Iran. Elle a vu des gens lapidés. Elle a vu qu’on a découpé les mains. Elle aimerait vivre avec ses proches en Europe, où les femmes ont les mêmes droits que les hommes, où la vie est plus sûre et plus facile.
En Iran, la femme s’est secrètement convertie au christianisme. Un soir un ami l’a baptisée dans la rivière. Les chrétiens sont persécutés en Iran. Aujourd’hui, son avenir dépend du fait si elle arrive à donner la preuve qu’elle est vraiment chrétienne et non seulement pour les apparences ! Le procès dure déjà depuis quelques moments.

Les questions formelles sont terminées. Le juge feuillette ses documents, lève les yeux et demande : « Connaissez-vous la signification de la Pentecôte ? »

L’interprète traduit. La femme répond sans hésitation. L’interprète traduit :
« À la Pentecôte, l’Esprit de Dieu est descendu du ciel. C’est l’anniversaire de l’église. »
Le juge prend des notes. Puis il demande : « Mais qu’est-ce que la Pentecôte signifie pour vous personnellement ? »

Que signifie la Pentecôte ces jours-ci, lorsque les gens luttent pour leur vie, lorsque les gens souffrent de solitude, lorsqu’ils attendent la fin de la pandémie avec impatience, lorsqu’ils attendent la visite des enfants et des petits-enfants avec beaucoup d’espoir, afin qu’ils puissent jouer au jardin et que les grands-parents puissent les toucher ?

Deuxième scène – sans voix
Les disciples sont assis ensemble dans une maison à Jérusalem. Ils se rassemblent souvent ici. Ils sont silencieux. Tout a été dit mille fois déjà. Plus rien à dire.
Les disciples aimeraient être ailleurs. Ils ont vu leur guide, leur meilleur ami, leur prophète, capturé. Ils ont vu comment il a été cloué sur la croix et comment il est mort.

Ils voudraient parler de l’amour de Dieu et aussi du fait que le corps de Jésus a disparu de la tombe, que la mort est puissante, mais que l’amour de Dieu est mille fois plus fort. Mais les mots restent coincés dans leurs gorges. Pendant ce temps, d’autres condamnations à mort sont exécutées à l’extérieur.

Troisième scène – le miracle de la Pentecôte
Ensuite le coup de vent et le feu surgissent au récit biblique. On pourrait bien mettre cela en scène, souligné par la musique dramatique pour en faire un film biblique classique. Cependant, il y aura le risque que les téléspectateurs sortiront pour une pause cigarette et ne reviendront plus.

Il ne faut donc pas peindre le miracle d’une façon trop dramatique. C’est un miracle que les disciples retrouvent quand-même des paroles. C’est un miracle qu’il y a des gens écoutants et comprenant. Des gens très différents. À l’époque, c’était des gens de langues maternelles différentes. Nous connaissons bien ces problèmes de communication aujourd’hui, notamment au Luxembourg.

Imaginez-vous – une autre mise en scène possible – que les disciples parlent à la télévision, à la radio, sur Twitter, sur Facebook, Instagram – que sais-je – à notre époque, et soudain tout le monde serait uni : des politiciens d’horizons différents, des gens de Luxembourg-Belair et ceux de Esch-Belval, les sans-abris devant la gare et ceux du « Galgenbierg », le top manager et la femme de ménage : #L’amour est la chose la plus grande !    #Amour règne !

Quelle excitation, quel miracle, qu’est-ce qu’on pourrait réaliser ! « Qu’est-ce que ça pourrait devenir ?! » Seuls quelques-uns n’auraient pas entendu le bruit – pardon, le coup de vent –. Ils ne comprendraient rien et continueraient à blasphémer jusqu’à maintenant : « Êtes-vous tous ivres ? »

Quatrième scène – Joël annonce la révolution de l’amour
Nous sommes de retour chez les disciples dans la maison. Une foule devant celle-ci. Pierre se détache du groupe des disciples. Il monte sur une boîte en bois et commence à prêcher :

« Non, nous ne sommes pas ivres ! Nous vivons actuellement ce que le prophète Joël a prédit.

Lecture : Joël 3, 1-5

1 Après cela, je déverserai mon Esprit sur tout être humain ; vos fils et vos filles prophétiseront, vos vieillards auront des rêves, et vos jeunes gens des visions.
2 Même sur les serviteurs et sur les servantes, dans ces jours-là, je déverserai mon Esprit.  3 Je ferai des prodiges dans le ciel et sur la terre, du sang, du feu et des colonnes de fumée4 Le soleil se changera en ténèbres et la lune en sang avant l’arrivée du jour de l’Eternel, de ce jour grand et terrible.  5 Alors toute personne qui fera appel au nom de l’Eternel sera sauvée ; il y aura des rescapés sur le mont Sion et à Jérusalem, comme l’a dit l’Eternel, et parmi les survivants que l’Eternel appellera.

Joël a dit : La période viendra quand Dieu déversera son Esprit sur nous. Vos fils et vos filles en prédiront. »

Une jeune femme sort du public et dit : « Je prévois une époque lorsque les virus Corona seront éradiqués – lorsqu’aucune personne âgée n’en mourra seule sur la station de quarantaine soit à l’hôpital, soit dans la maison de soins, soit dans son domicile. »

Le public applaudit. Ce sont des scènes comme connues aux balcons en Italie ou en Angleterre. Pierre continue : « Vos jeunes devraient voir des visions. »

Un jeune homme s’avance et proclame : « Je vois des visages souriants. Une longue hostilité est vaincue. La paix est négociée et tient bon. »

Je vois comment les jeunes traitent les personnes âgées et vulnérables avec soin, respect et responsabilité. Le public applaudit et siffle.

Pierre continue : « Vos personnes âgées devraient avoir des rêves. »

Un groupe de personnes âgées s’avance. Quelqu’un prend la parole. « Nous rêvons des soins discrets, de bons soins médicaux pour tout le monde. De gens qui nous apprécient. »

Les gens applaudissent comme sur les balcons de Venise et de Coventry. Pierre reprend la parole : « Joël a dit : Dieu nous sauvera tous ! »

La foule applaudit.
Quand elle se calme, Pierre commence une prière. Les gens prient avec Pierre. Ensuite ils reprennent leur chemin en se tenant vraiment debout. Ils ont une mission : #Amour règne !

Dernière scène – Dans la salle d’audience
Nous sommes de retour au tribunal. La femme iranienne n’a pas encore répondu. Le juge demande : « Vous me comprenez ? Qu’est-ce que la Pentecôte signifie pour vous personnellement ? » L’interprète traduit sur un ton insistant. La femme répond en allemand : « Vous parlez allemand. Je ne le parle pas bien. Dieu aide afin que nous comprenions quand même. Dieu me sauvera. »
Amen.
_________________________________________
Salutations cordiales ! Que Dieu vous garde !
Votre Karl Georg Marhoffer

_______________________________________________________________________
La prochaine méditation sera publiée dimanche, le 31 mai 2020.