Wort für den Tag

Predigtupdates für gewöhnlich Montags gegen 10:00 Uhr.
Chère lectrice, cher lecteur!
Le résumé en français suit la version allemande.

Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus. (Philipper 4,7)

Und …

Mit „und“ fängt’s an. Wir alle haben in der Grundschule wahrscheinlich gelernt, mit „und“ fängt man keine Sätze an.

In der Bibel ist das anders. Da fangen die Sätze gerne mal mit „und“ an. Oder mit „aber“, aber das ist eine andere Geschichte. Das liegt natürlich an den alten Sprachen, in denen die Bibel zuerst verfasst wurde: Hebräisch und Griechisch.

Aber über die Feinheiten der Übersetzung hinaus lehrt es uns vielleicht auch etwas über Gott. „Und“ heißt: Da kommt noch was. Wir sind noch nicht am Ende. Es geht weiter. Gott ist immer noch für eine Überraschung gut: für eine erstaunliche Wendung, für eine Brücke über den Abgrund, für ein plötzliches Licht im Dunkel. An das Thema unseres Gottesdienstes denkend: „für den Frieden“. Noch ist der Frieden nicht da, aber Gott hat vielleicht ein „und“ – und die Geschichte geht weiter. „Und“ ist ein Wort, dass in letzter Sekunde deinen Fall bremsen kann, „und“ fängt dich auf, „und“ ist das Wort der Ewigkeit. Jeder von uns ist ein „und“ in Gottes Geschichte. … und am Ende eines jeden Lebens steht bei Gott ein „und“ für uns. Aber ich schweife ab. Frieden ist das Thema …

Und der Friede Gottes

Friede, das ist leicht. Friede ist, wenn du nachts durchschlafen kannst, wenn du keine Angst haben musst und auch wirklich keine hast. Friede ist, wenn du deine Lieben in Sicherheit weißt, wenn du dich in Sicherheit weißt, wenn du dich streiten, aber auch versöhnen kannst. Friede ist, wenn deine Grenzen gewahrt werden und deine Rechte, wenn du Essen, Trinken und Liebe hast, wenn du sein kannst, wie du bist, wenn deine Anliegen gehört werden, wenn du mehr als nur genug zum Leben hast, wenn du nicht nur überlebst, sondern dein Leben in vollen Zügen lebst, wenn die Kinder zur Schule gehen können und die Alten versorgt werden. Das ist Friede – und noch so vieles mehr!

Friede hat viel mit Gott zu tun. Weil er so groß ist und unverfügbar und zugleich im Alltag so wichtig, so ersehnt und dringend gebraucht.

In der Bibel steht, Friede kann es sein, wenn Gott nicht weggeht. Wenn er dich durch alle Kämpfe begleitet (Richter 6). Friede bedeutet, dass Gott dich sieht und bewacht (Numeri 6,4). In Frieden lebt ein Mensch, der mit sich selbst im Reinen ist.

Wer Schlechtes tut, findet keinen Frieden. (Psalm 38, Psalm 72, Römer 8) Manchmal wird ein Krieg angefangen, um Frieden herzustellen. Gott gibt Frieden, aber er gibt auch Unfrieden (Sacharja 8).

Wir müssen für den Frieden auch etwas tun:

Frieden sollen wir suchen, erjagen. (Psalm 34,15). Es gibt ihn jetzt und hier, aber es ist auch ewige Sehnsucht.

Wir warten darauf, dass der Frieden vollkommen wird. Friede ist umfassend und darum ein frommer Wunsch, den man sich zur Begrüßung zuspricht – mal von Herzen, mal nicht: Friede sei mit dir!

Der höher ist als alle Vernunft

Friede sei mit dir! Nicht nur Vernunft. Nicht nur rationalisieren, kapieren, berechnen, Nicht nur abwägen, eine Hand wäscht die andere, Nicht nur Verträge, Abmachungen, Sanktionen, Nicht nur Waffenstillstand, tu du mir nichts, dann tu ich dir nichts; Nicht nur hinterlassen Sie diesen Ort, wie Sie ihn vorfinden wollen. Nicht nur Vernunft – Friede sei mit dir!

Vernunft ist wichtig, nicht zu unterschätzen, wir sollten sie trainieren; aber Friede ist nicht einfach das Ergebnis vernünftigen Verhaltens – obwohl damit viel gewonnen wäre, wenn alle sich vernünftig verhielten. Frieden ist höher als alle Vernunft und Gott kann mehr als wir ihm zutrauen. Wenn wir vernünftig auf die Welt schauen, müssen wir feststellen, dass es nicht wahrscheinlich also unwahrscheinlich ist, dass jemals alle Menschen mit sich, und der Natur in Frieden leben werden.

Prognostiziert für 2030 sind: 8,5 Milliarden Menschen! In Frieden! Das ist wenig wahrscheinlich, wahrscheinlich sogar unmöglich?

Gottes Friede ist höher als alle Vernunft. Hat Gott doch noch ein „und“ für uns?

Bewahre eure Herzen und Sinne

Mit Haut und Haar, mit Herz und Sinn, ganz, umfassend, komplett bewahrt.

Da werden Kindheitsgefühle bei mir geweckt. Spazieren an der Hand des Großvaters, der Duft nach frischem Kranzkuchen mit Konfitüre, die offenen Mutterohren, der Vater, der mit uns eine Kanu-Tour macht.

Behütet, versorgt, geliebt, in Sicherheit. Wer das Glück hat, solche Momente erfahren zu haben oder zu erfahren, weiß, wie sich Friede anfühlt. Wo kann man danach suchen?

In Christus Jesus.

In“, nun ja.

Ich würde hier gerne ein Emoji mit vor dem Gesicht verschränkten Armen aussprechen. Wo finde ich Bewahrung? „In“ Christus Jesus?! Ach, was wäre die Bibel, die Kirche ohne ihre Präpositionen?! Ganze Kriege haben sich daran entzündet, wie nun in, mit, unter usw. zu verstehen seien. In Christus Jesus.

Also erstmal mit der leichteren Verwirrung anfangen, warum hier der Nachname vor dem Vornamen steht.

Jesus ist der Name des Menschen, der all die Abenteuer erlebt hat, Wunder getan, Menschen gerettet, Kranke geheilt, der von Gott erzählt hat, als würde er ihn kennen wie seine Westentasche der am Ende so grausam hingerichtet wurde.

Christus“ ist ein Titel und bedeutet, der Gesalbte. „Messias“ auf Hebräisch. Bezieht sich darauf, dass früher im alten Israel die Könige dadurch zu Königen wurde, dass sie mit kostbarem Öl gesalbt wurden. Christus Jesus heißt aber nicht einfach „König Jesus“, sondern so was, wie „allerbester, einziger, direkt von Gott eingesetzter, für immer und in Ewigkeit herrschender, für Gerechtigkeit und Frieden stehender Super-König“.

Dass so einer irgendwann mal kommen würde, darauf hoffen die Menschen seit Ewigkeiten. Die Juden warten immer noch darauf, die Christen glauben, dass es Jesus war.

Dazu passt auch, dass er nicht tot im Grab liegen blieb, sondern dass sich die Christen bis heute von seiner Auferstehung erzählen. Jesus ist nach dem Tod wieder lebendig geworden und er ist jetzt, in, mit und unter Gott, dem Vater, dem Sohn und dem Heiligen Geist immer noch da, irgendwie aber anders. Das ist sehr kompliziert und es kann sehr viel Freude machen, darüber nachzudenken.

Heute geht es aber um Frieden. Gottes Frieden, der ziemlich unvernünftig ist, der uns aber mit Haut und Haar beschützen und umgeben soll. Und das hat etwas mit Christus Jesus zu tun, also mit dieser Person, die Gott und Mensch zugleich war, die so viel Liebe gepredigt hat, dass sie hingerichtet wurde, weil diese Liebe nicht totzukriegen war. In Christus Jesus verschmelzen beide Welten, die Welt, wie sie ist und die Welt, wie sie sein soll. Und das gibt vielen Menschen die Hoffnung, dass immer noch was geht, auch wenn die Lage aussichtslos ist.

In Christus Jesus – da sind wir uns einig, dass das nicht bedeutet „in seinem Körper“, denn das war ein ganz normaler menschlicher Körper. Ein Arzt hätte Organe gefunden: Herz und Nieren zum Beispiel.

In“ Christus Jesus bedeutet also nicht in seinem Körper. Wobei einer der Jünger nach der Auferstehung mal die Finger in seine Wunden gelegt hat. Glauben jedenfalls hat er gefunden. Und wir wissen seitdem, dass es sehr wichtig sein kann, Finger in Wunden zu legen.

Bewahrt sein also, wenn wir uns an Jesus Christus festhalten? Wenn wir daran festhalten, dass Gott mit ihm ein „und“ gesprochen hat, das „und“, das der Anfang von etwas Gewaltigem war, obwohl es nach so wenig aussah?

Ich will noch von einem anderen „in“ sprechen. Paulus, der diesen Satz, vor langer Zeit den Mitgliedern seiner Gemeinde in Phillippi geschrieben hat, der hat an anderer Stelle über die Taufe geschrieben:

Mit der Taufe meinte er, sind wir in Jesus Christus hinein getauft. In seinen Tod und seine Auferstehung hinein. Also quasi in das ganze Geschehen hinein. Als hätten wir es miterlebt. Als wären wir tot gewesen und lebendig geworden.

Mir ist an dieser Vorstellung wichtig, dass „bewahrt in Christus Jesus“ bedeuten kann: Wir sind ein Teil dieses „Und“. Wir haben einen sicheren Ort in Gottes Geschichte. Wir sind ganz und gar – mit Haut und Haar – mit Herz und Sinnen – drin in dem Versprechen, dass die Herrschaft des Königs begonnen hat und dass sie sich immer weiter entfaltet. Es gibt nichts, was wir dafür tun müssen. Wir müssen nicht aus eigener Kraft den Frieden finden oder schaffen oder sonst irgendwas leisten. Wir sind drin.

Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus. Punkt und Amen.