Wort für den Tag

(La traduction en français se trouve après la prédication allemande.)

Pfingsten 19.05.2024

Jesaja 6,1–8
1 Im Todesjahr des Königs Ussijahu sah ich den Herrn auf einem Thron sitzen, hoch und erhaben, und der Saum seines Gewandes füllte den Tempel. 2 Über ihm standen Serafim; sechs Flügel hatte ein jeder, mit zweien hielt ein jeder sein Angesicht bedeckt, mit zweien hielt ein jeder seine Füsse bedeckt, und mit zweien hielt ein jeder sich in der Luft. 3 Und unablässig rief der eine dem anderen zu und sprach: Heilig, heilig, heilig ist der HERR der Heerscharen! Die Fülle der ganzen Erde ist seine Herrlichkeit. 4 Und von der Stimme dessen, der rief, erzitterten die Türzapfen in den Schwellen, und das Haus füllte sich mit Rauch. 5 Da sprach ich: Wehe mir, ich bin verloren! Denn ich bin ein Mensch mit unreinen Lippen, und ich wohne in einem Volk mit unreinen Lippen, und meine Augen haben den HERRN der Heerscharen gesehen! 6 Da flog einer der Serafim zu mir, eine glühende Kohle in seiner Hand, die er mit einer Dochtschere vom Altar genommen hatte. 7 Und die liess er meinen Mund berühren, und er sprach: Sieh, hat das deine Lippen berührt, so verschwindet deine Schuld, und deine Sünde wird gesühnt. 8 Und ich hörte die Stimme des Herrn sagen: Wen werde ich senden? Und wer von uns wird gehen? Da sprach ich: Hier bin ich, sende mich!

Manchmal fehlen uns die Worte. Nicht weil wir dächten „Das ist ja unerhört!“ oder “Das schlägt dem Fass den Boden raus!” oder “Das hat die Welt noch nicht gesehen!” oder „Welch eine Unerhörtheit!“ und dann wird sich echauffiert oder empört, dann wird der Kopf geschüttelt, dann wird der Unmut kundgetan. Nein, manchmal fehlen uns die Worte, weil sich mit ihnen nicht alles sagen lässt, was wir sagen wollen, weil wir es empfinden oder gesehen haben.

Man kann dann eben doch nicht alles in Worten festschreiben, kleiden oder sagen: „Genau so war es! Ganz genau so ist es!“ Manchmal versagt unsere Sprache und wir stehen an der Grenze des Sagbaren, ja, wir kapitulieren vor so viel Frechheit, Unverfrorenheit und Dreistigkeit.

Im Straßenverkehr ist es die Vorfahrt – die Priorität – die genommen wird. Der Chauffeur, der sich noch dazwischen zwängt. Der Fußgänger, der bei Rot noch über den Gehweg springt, zum Bremsen zwingt – und sich noch nicht einmal entschuldigt! Der Fahrradfahrer, der wechselweise über das Trottoir und die Fahrbahn eilt, und dann noch die Abkürzung über den Zebrastreifen nimmt. Alles, was dann über unsere Lippen geht, bleibt eine Annäherung, ein irgendwie fader Abglanz dessen, was ist oder war.

Manche Trauer über den Verlust eines geliebten Menschen ist so unerträglich groß, dass sie unser Herz fast zerquetscht. Zu sagen „Es tut so weh“ wäre eine unlautere Untertreibung. Wie sollte diese verschlingende Hoffnungslosigkeit, da reinpassen?

Wie sollten wir anderen Menschen jemals begreiflich machen, wie groß dieser Schmerz wirklich ist? Keine Liebe ist so heftig und so leidenschaftlich und dabei so zart und zerbrechlich wie die eines Teenagers. Wer als Jugendlicher einmal so richtig verliebt – ja verschossen – war, weiß aus eigener Erfahrung, wie die Liebe einen ergreift, packt, wie unerträglich hilflos und ausgeliefert man diesen Gefühlen ist; wie sie einen beherrschen.

Ein simples „Er ist so wunderschön“ oder „Ich bin so verknallt“ könnten niemals ausdrücken, was da gerade los ist – in Kopf und Herz und überhaupt.

Wie sollte man jemandem mit Worten begreiflich machen, dass die Welt sich nicht mehr um die Sonne dreht, sondern um einen Menschen, der so bezaubernd, so bestechend, so unglaublich ist? Und warum sieht das eigentlich niemand sonst?! Es ist die Grenze des Sagbaren, an der wir dann stehen.

Worte können nicht alles festhalten oder festschreiben. Manches bleibt ein Geheimnis. Und ich glaube, dass es so auch Jesaja gegangen ist: Zwischen all dem Rauch, zwischen dem Boden des Tempels, der bebt angesichts des Lobgesangs und der himmlischen Welt – da sitzt Gott auf seinem Thron. Ein Mensch schaut Gott, er sieht wirklich und wahrhaftig den Allmächtigen, den Schöpfer des Himmels und der Erde.

Welche Worte könnten da genügen? Er hat uns eines dreimal gegeben: Heilig, heilig, heilig. Dreimal ein Wort.

Denken wir einmal an den Menschen, der den größten Platz in unserem Herzen einnimmt! Ob er noch bei uns ist oder schon nicht mehr, ist jetzt unerheblich. Den ihr anseht oder angesehen – oder gefühlt habt: „Ja, auch wenn du manchmal nervst, du bist es. Immer nur bist du es.“ Und dann versucht, drei Worte zu finden, mit denen ihr diesen Menschen beschreiben könnt. Drei Worte, die uns einen Einblick geben, wie dieser Mensch ist.

Drei Worte. Nicht mehr und nicht weniger. Drei Worte, die, davon gehe ich einmal aus, zutreffend sind. Aber drei Worte, das ist eben auch nicht viel. In drei Worte passt bei weitem nicht hinein, was dieser Mensch ist oder wer er ist. Drei Worte können kein Wesen einfangen. Drei Worte können bestenfalls sich nur annähern. Manches bleibt Geheimnis.

Drei Worte, das ist nicht viel. Aber immer noch mehr, als Jesaja sagt über den Gott, den er sieht. Denn Jesaja beschreibt ihn – gar nicht! Ich sah den Herrn sitzen auf einem hohen und erhabenen Thron. Das ist alles, was wir bekommen. Es hat ihm sprichwörtlich die Sprache verschlagen.

Vielleicht ist Jesajas Schweigen das Aufrichtigste und Ehrlichste, was wir tun können. Er soll von Gott reden. Aber er kann es nicht.

Bei allem, was Gott uns gibt, bei allem, was er uns von sich zeigt, gibt es so viel, was vor uns verborgen ist, weil er es uns nicht zeigt. Immer wieder führt er uns an die Grenzen des Sagbaren. Immer wieder passt er nicht hinein. Immer wieder bleibt er ein Geheimnis.

Dreimal ein Wort für dieses Geheimnis: Heilig heilig heilig. Viel später, da hat man ihm drei Namen für dieses Geheimnis gegeben: Vater / Sohn / Heiliger Geist.

Heute feiern wir Gottes Geheimnis in diesen drei Namen, weil wir bessere Worte nicht haben.

Gott Heiliger Geist – Heute am Pfingstsonntag können wir uns viele Gedanken machen, was Gott, der Vater, der Sohn und der Heilige Geist in ihrer Dreieinigkeit bedeuten.

Aber schauen wir zunächst auf das Glaubensbekenntnis, das wir heute wieder gesprochen haben, was es vom Heiligen Geist sagt. „Wir glauben an den Heiligen Geist, die heilige allgemeine christliche Kirche, die Gemeinschaft der Heiligen, Vergebung der Sünden, Auferstehung der Toten und das ewige Leben.“ Es geht nicht um Spekulationen, was der Heilige Geist genau ist, wie er sich zu Gott, dem Vater, und zu Jesus Christus verhält.

Es geht um das, was der Heilige Geist mit uns macht. Wir versammeln uns als Gemeinde, wir feiern zusammen Abendmahl. Selbst in Schuld und Verfehlung dürfen wir mit der Liebe Gottes neu anfangen, wir haben Anteil an der Auferstehung und hoffen auf ein neues, ewiges Leben.

Es ist nicht zu übersehen: Dieser Welt geht es nicht gut! Wir sehen einen nicht enden wollenden Krieg in der Ukraine. Im Heiligen Land hat es ein Pogrom gegeben, darauf den Krieg im Gazastreifen.

Viele Menschen bewegt die Frage nach der Zukunft unseres Planeten angesichts des Klimawandels und seiner Auswirkungen auf das Leben von Menschen und Tieren.

Einige von uns haben neben vielen guten Erfahrungen in ihrem Leben auch schwere Bürden zu tragen: Eine Beziehung ist zerbrochen. Ein Mensch ist verstorben. Vielleicht leiden wir auch daran, dass wir niemanden finden, der mit uns in Liebe verbunden ist. Die Arbeitsstelle ist gefährdet. Das Gehalt, die Rente reichen einfach nicht zum Leben.

Um es kurz zu machen: Wir haben ihn dringend nötig – den Heiligen Geist. Wir haben sie dringend nötig, eine Kraft in unserem Leben, die uns nicht aufgeben lässt.

Ja, es ficht uns manches an! Aber Gott hat uns diese Kraft gegeben. In dieser Kraft dürfen wir seine Worte hören, dass er uns nicht verlassen wird. Inmitten unserer eigenen Schwierigkeiten, inmitten der Turbulenzen dieser Zeit dürfen wir wissen, dass wir längst schon Erben des Heiligen Geistes sind.

Wenn es hier aber heißt: „Gott hat uns dazu vorherbestimmt, seine Kinder zu sein durch Jesus Christus“, dann bedeutet das für uns eine große Entlastung.

Gott hat uns angenommen, er hat uns schon immer geliebt, er wird für uns sorgen, er wird uns das Erbe antreten lassen. Egal, woher wir kommen, egal, wie zerknirscht wir sind, egal, ob wir angesehen sind oder nicht, die Liebe Gottes nimmt uns ohne Vorbedingungen an.

Schönheit, Reichtum, gesellschaftliches Ansehen, selbst die Kraft unseres Glaubens mögen andere und uns selbst nützlich und gut erscheinen. Vor Gott zählen aber auch die Unangesehenen, die Armen, die von Zweifel und Verzweiflung Zerfressenen. Weil es nicht auf unsere Kraft, weil es nicht auf unser Vermögen ankommt, sondern allein auf die vorauslaufende Liebe Gottes.

Gott hat uns das Erbe vor aller Zeit vermacht. Damit wir begreifen, dass es nicht an uns liegt, selbst nicht in unseren tiefsten Momenten.

Gott hat uns zu Erben eingesetzt. Auf dieses Erbe haben wir schon das Unterpfand des Heiligen Geistes, einer Kraft, die uns aufbaut und Gemeinschaft und Liebe schafft.

Und so, wie wir jetzt schon in Christus leben dürfen, gehen wir dem Antritt des vollkommenen Erbes entgegen – in Hoffnung und Zuversicht.

AMEN