Wort für den Tag

Predigtupdates für gewöhnlich Montags gegen 10:00 Uhr.

Chère lectrice, cher lecteur!
Le résumé en français suit la version allemande.

Gnade sei mit euch und Friede von Gott unserem Vater und unserem Herrn Jesus Christus. Amen

Liebe Gemeinde!

Für die heutige Predigt habe ich mir als Text die Jahreslosung ausgesucht.
Die Jahreslosung, die uns in diesem Jahr begleitet, steht im Johannesevangelium.

Jesus spricht dort zu den Menschen und sagt:
„Wer zu mir kommt, den werde ich nicht abweisen.“
(Joh. 6, 22-37)

So oder ähnlich werden wir doch sicherlich auch reagieren, wenn uns jemand anspricht und in einer schwierigen Lebenssituation um Hilfe bittet! Diese Ansprache, das Bitten ist ja bereits ein großer Schritt der Überwindung für den, der es ausspricht. Denn vorangegangen ist die Erkenntnis, dass die eigene Kraft nicht ausreicht und man auf die Hilfsbereitschaft eines anderen Menschen angewiesen ist. Deshalb wird man auch nicht irgendeine Person ansprechen, sondern eine Vorauswahl treffen. Es werden Menschen ausgesucht, deren Hilfsbereitschaft bekannt ist und deren Türen geöffnet werden, wenn jemand anklopft und um Einlass bittet.

Wir alle haben in unserem Leben sogenannte Türmomente erlebt, sei es, dass wir selber außen vor einer Tür gestanden haben, oder innen auf der anderen Seite. Unabhängig von unserem Standort können diese Türmoment unterschiedliche Gefühle in uns wachrufen:

  • Die Tür vor dem Amtszimmer einer Behörde, wo wichtige Anträge zu besprechen sind;
  • Die Tür zum Sprechzimmer des Arztes, in der Erwartung eines Untersuchungsergebnisses;
  • Die Tür eines Freundes, mit dem man im Streit auseinandergegangen ist;
  • Die eigene Haustür, in die angemeldet oder überraschend immer wieder; Menschen hineinkommen.

Türen können uns voneinander trennen, sie können uns Schutz bieten, Entscheidungen unterstreichen, wenn sie geschlossen bleiben.

Türen können auch einladend sein, neue Wege eröffnen, Erwartungen erfüllen, wenn sie geöffnet sind oder bewusst geöffnet werden.

Seien es die realen Türen in unseren Wohnungen oder Häusern, besonders aber oder vor allem unsere Herzenstüren! Erst, wenn ich innerlich bereit bin mich für eine Idee zu öffnen, für eine besondere Weltsicht, dann hat diese Idee eine Chance bei mir anzukommen, mich zu begeistern und mein Leben gegebenenfalls zu verändern. Das gilt für alle Zeiten unserer Menschheit, so auch für die Menschen zur Zeit Jesu. Sie reagieren ja sehr skeptisch auf ihn, sein Reden und Handeln, wie wir eingangs im Lesungstext gehört haben. Die Menschen sehen, was Jesus macht, aber können es irgendwie nicht glauben, obwohl es vor ihren Augen geschieht. So fordern sie ihn auf, weitere Beweise zu erbringen. Die Speisung der 5000 hungrigen Menschen reichte ihnen noch nicht aus. Und wie reagiert Jesus? kommt er ihren Forderungen nach?

Bei Joh. 6,38-40 (Basisbibel) erklärt er den Menschen:
Denn dazu bin ich vom Himmel herabgekommen: Nicht um zu tun was ich selbst will, sondern was der will, der mich beauftragt hat. Und das ist der Wille dessen, der mich beauftragt hat: Ich soll keinen von denen verlieren, die er mir anvertraut hat. Vielmehr soll ich sie alle am letzten Tag vom Tod erwecken. Denn das ist der Wille meines Vaters: Alle, die den Sohn sehen und an ihn glauben, werden das ewige Leben erhalten. Am letzten Tag werde ich sie vom Tod erwecken.“

Mit diesen Worten löst Jesus allerdings heftige Reaktionen aus. Die Menschen seiner Zeit wissen von seiner Herkunft, sie kennen seine Eltern und deuten sein Reden und Handeln als eine totale Selbstüberschätzung und nehmen ihn nicht ernst. Viele wenden sich so verärgert von ihm ab, andere sind maßlos enttäuscht, die Mehrheit versteht ihn einfach nicht, denn wie kann einer von ihnen nur so reden.

Ein kleiner Teil, so wissen wir, folgt ihm begeistert, angerührt, überzeugt, dass mit ihm etwas Wunderbares in Bewegung gekommen ist und sie möchten ein Teil davon sein. Doch die große Mehrheit fühlt sich nicht angesprochen. Heute würden wir sagen, das Marketing hat nicht gestimmt, die Werbung war nicht zielorientiert, die Inhalte nicht adressatengerecht überlegt, die Leitideen nicht verständlich formuliert.  Über so etwas hat sich Jesus sicherlich keine Gedanken gemacht, aber ich frage sie nun: Wie sollte eine Einladung von Jesus denn aussehen, die bewirkt, dass Menschen sich nicht sofort abwenden, sondern ihm zumindest eine Chance geben?

Ich finde, allein seine Worte: „Wer zu mir kommt, den werde ich nicht abweisen“– beinhalten die Hoffnung auf einen gemeinsamen Weg, sie bieten einen Anfang, eine erste Kontaktaufnahme für den, der bereit ist zu hören. Diese Worte sind wie ein Schlüssel, der die Tür öffnen kann, durch die wir nur noch hindurchgehen müssen.

Ich möchte nun einige Gedanken mit Ihnen teilen, zum Bild für die Jahreslosung, nehmen sie es bitte zur Hand und betrachten sie es.

Die Grafik von Stefanie Bahlinger macht mich neugierig und ich frage mich: “Wer hat diese Tür geöffnet und für wen? Vielleicht ja für mich, für Sie?“ Ich möchte näher gehen, denn im Moment kann ich nur einen kleinen Ausschnitt des Raumes sehen, der sich hinter der Tür befindet. Der Weg zu diesem Raum ist frei, keine Treppe, keine Stufe, keine Kontrolle! Nichts steht mir im Weg, nichts hindert mich und alles ist sehr einladend.

Aber dann sehe ich diesen große „Kreuzschlüssel“, der von oben herab an einer Kette baumelt. Er scheint in Bewegung zu sein und hin und her zu schwingen, gerade ist er mit seinem Schwung auf der linken Seite seines Bewegungsbogens. Um in den Raum zu kommen, muss ich mich also bewegen, mich seinem Schwung anpassen, ihn im Blick behalten.

Ich schaue nun in den Raum, auf einem Tisch liegt ein Laib Brot und dicht daneben steht ein Glas mit Wein. Für wen mag dieser Tisch gedeckt sein, der irgendwie zu schweben scheint in diesem Raum, der durch seine Farbgebung warm und freundlich anmutet?

Was ich sehe, erinnert mich an das Abendmahl. Die Symbole des Abendmahls bilden auch die Mitte des Bildes, dazu passt jetzt auch das Kreuz und alles zusammen deutet auf das letzte Abendmahl von Jesus und seinen Jüngern hin, es weist uns gedanklich bereits auf das Ende der Passionszeit und die folgende Osterzeit.

So wie wir uns bei der Mahlfeier an dieses letzte Abendmahl erinnern, den Wein trinken und das Brot essen, so möchte auch Jesus in unsere Herzen aufgenommen werden. Er möchte uns bereits jetzt in der Gegenwart nahe sein, nicht erst in einer zukünftigen Ewigkeit.

So scheint dieser Ort auf dem Bild zu schweben zwischen Himmel und Erde, er ist nicht verortbar, er könnte überall sein und es taucht die Frage auf: Wo finde ich diesen Raum? Ist er real dieser Sehnsuchtsort oder eher ein Gedanke in einem Bild festgehalten und dieser Gedanke wartet nun vor meiner Herzenstür und möchte Einlass erhalten. Zaghaft klopft er an, der Gedanke daran, dass nichts und niemand uns von Jesus Liebe trennen kann, auch nicht der Tod. Jede und jeder von uns ist also eingeladen, nicht nur von außen zu schauen, sondern weiterzugehen in das Licht, in die Wärme, durch die geöffnete Tür hindurch und zu schauen, was es dort alles zu entdecken gibt!

Soweit meine Gedanken zum Bild der Jahreslosung.

Liebe Gemeinde!

Wir werden hinter der Tür von unserem Gastgeber in Empfang genommen und was uns erwartet, können wir bereits in den sogenannten „Ich-Bin-Worten“ von Jesus erahnen, wenn er als der Gottesgesandte mit folgenden Worten spricht:

  • Ich bin das Brot des Lebens. Wer zu mir kommt, wird nicht mehr hungern. Und, wer an mich glaubt, wird nie mehr Durst haben (Joh. 6,35)
  • Ich bin das Licht der Welt. Wer mir folgt, irrt nicht mehr in der Finsternis umher. Vielmehr wird er das Licht des Lebens haben. (Joh. 8,12)
  • Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben. Es gibt keinen anderen Weg zum Vater als mich. (Joh. 14,6)
  • Ich bin die Tür. Wer durch mich hineingeht, wird gerettet. (Joh. 10,9)

Wie könnte man bei solchen Aussagen noch zögern? Und doch stellen wir über alle Zeiten hinweg fest, dass sich immer mehr Menschen gar nicht angesprochen fühlen. Was mag da bei diesen Menschen mitschwingen in ihrer Abkehr von Jesus, von Gott, vom Glauben?

Vielleicht sind es persönliche Enttäuschungen, für die Gott die Schuld gegeben wird oder Erwartungen, die einfach unrealistisch sind, oder ein Missverständnis der christlichen Botschaft. Menschen machen oft „dicht“, sie schließen ihre Türen und lassen niemanden hinein. Doch Jesus wartet, er ist bereit, immer hat er seine Tür geöffnet.

Wer zu mir kommt, den werde ich nicht abweisen“! Dieser Satz steht quasi in unsichtbaren Buchstaben über seiner Tür und genau in diesem Satz verbirgt sich Jesu ganzes Wesen.

Jesus nimmt alle Menschen an, völlig unabhängig von ihrem Denken und Handeln. Wer zu ihm kommt ist erst einmal ein Mensch und den weist er nicht ab; weder den Zöllner, der betrügt, noch die Ehebrecherin die für ihre Tat gesteinigt werden soll; weder Blinde, Lahme und Taube, noch die Traurigen, Hoffnungslosen und Einsamen. Jesus hält seine Tür für sie geöffnet und besonders für die, denen es nicht so gut geht und die eher am Rande der Gesellschaft leben müssen.

Liebe Gemeinde!

Die Jahreslosung ermutigt uns, es Jesus gleich zu tun und aufeinander zuzugehen, einander wohlwollend anzunehmen als Menschen, die alle einst zum Bilde Gottes geschaffen wurden. Wir sollten offen füreinander sein, einander zuhören und Hilfen anbieten, wo es nötig scheint.

Das ist für manch einen Zeitgenossen eine große Herausforderung. Aber mit gegenseitigem Respekt ist es machbar. Nicht nur hier in der Gemeinde, sondern gerade „da draußen“ im realen Leben.

Dies geschieht dann im Bewusstsein, dass wir in unseren Nächsten Jesus begegnen. Er selbst sagt dazu:“ Was ihr getan habt einem von meinen geringsten Brüdern (und Schwestern), das habt ihr mir getan.“ (Matth. 25,40)

In den Notleidenden der Welt begegnen wir Jesus Christus und so können wir auch Gastgeber*innen sein, die immer eine offene Tür für ihre Mitmenschen haben und sie mit seinen Worten begrüßen: “Wer zu mir kommt, den werde ich nicht abweisen“! Ob uns diese Menschen nahe sind oder auch fremd, ob sie uns bitten oder auch einfach so, weil sie Menschen sind wie wir, alle sind willkommen. Und ich bin mir ganz sicher, unser Haus wird nie leer sein, sondern erfüllt von der Liebe Gottes, die uns geschenkt wurde, indem Gott Mensch wurde in Jesus, um mit uns zu leben, zu lieben und zu leiden als Mensch unter Seinesgleichen.

Vertrauen wir voller Zuversicht und Hoffnung seinen Worten, wenn er spricht:“ Ich bin die Auferstehung und das Leben! Wer an mich glaubt, wird leben, auch wenn er stirbt. Und wer lebt und an mich glaubt, wird in Ewigkeit nicht von Gott getrennt. (Joh. 11,25+26). Amen

Und der Friede Gottes, der größer ist als unsere menschliche Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen

Uschi Fusenig, Prädikantin